{"id":1054,"date":"2019-03-18T18:34:44","date_gmt":"2019-03-18T17:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/?p=1054"},"modified":"2023-12-08T15:48:42","modified_gmt":"2023-12-08T14:48:42","slug":"wie-geschicktes-gendern-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wie-geschicktes-gendern-geht\/","title":{"rendered":"Geschicktes Gendern"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge der Gleichstellung der Geschlechter wird in der modernen Sprache gegendert, wo gegendert werden muss, liebe Leserinnen und Leser. Das kann zu umst\u00e4ndlichen Formulierungen und f\u00fcrchterlichen Verkrampfungen f\u00fchren &#8211; oder gute Texterinnen und Schreiber zu eleganten L\u00f6sungen animieren. Wie das geht, stelle ich Ihnen hier vor.<\/p>\n<p><strong>Gendern ist die sprachliche Gleichsetzung von Mann und Frau <\/strong>(und weiteren geschlechtlichen Identit\u00e4ten), und zwar dort, wo in der Sprache bisher die m\u00e4nnliche Form dominierte und weibliche Anwesende oder Leserinnen ausschlo\u00df. Pr\u00fcfen Sie mal nach: &#8222;Der Mensch&#8220; meint eigentlich M\u00e4nnlein und Weiblein und Transsexuelle in ihrer Gesamtheit, aber vor dem geistigen Auge sieht man immer den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vitruvianischer_Mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci,<\/a> oder?<\/p>\n<div id=\"attachment_1059\" style=\"width: 608px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1059\" class=\"wp-image-1059 size-full\" src=\"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Leonardo-da-Vinci-1.jpg\" alt=\"\" width=\"598\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Leonardo-da-Vinci-1.jpg 598w, https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Leonardo-da-Vinci-1-300x251.jpg 300w, https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Leonardo-da-Vinci-1-508x425.jpg 508w\" sizes=\"(max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><p id=\"caption-attachment-1059\" class=\"wp-caption-text\">*Eine kleine Anmerkung zum Bild: Zur Abwechslung illustriere ich einfach mal den Text mit einem nackten Mann, weil ja heute jede L\u00f6tlampe und jeder B\u00fcrohefter mit Bildern von nackten Frauen beworben wird.<\/p><\/div>\n<p>Einige Linguistikspezis werden jetzt einwenden, dass das grammatische Geschlecht (Genus) eines Wortes mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) gar nichts zu tun hat. <em>&#8222;Der Patient soll dem Arzt vorgestellt werden.&#8220;<\/em> Es k\u00f6nne nat\u00fcrlich auch eine Frau gemeint sein, wenn nicht sogar zwei. Trotzdem klingt dieser eigentlich korrekte Satz merkw\u00fcrdig:<em> &#8222;Der Patient ist im vierten Monat schwanger.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Grausig Gegendertes<\/h3>\n<p>M\u00e4nnliche Allgemeinformen wie &#8222;der Patient&#8220;, &#8222;der B\u00fcrger&#8220; oder &#8222;der Verbraucher&#8220; kann man nicht mehr ungegendert lassen, denn damit f\u00fchlen sich eben nicht &#8222;irgendwie alle&#8220; gemeint. Weiterhin stur die m\u00e4nnliche Form zu benutzen ist ganz sicher keine L\u00f6sung!<\/p>\n<p><strong>Der Schr\u00e4g\/strich<\/strong><br \/>\nLange Jahre hatte sich das \/innen verbreitet, das einfach an alles drangeh\u00e4ngt wurde, was wie ein Substantiv aussah: Unternehmer\/innen und Besucher\/innen und Gabelstaplerfahrer\/innen und Kommunikationsberater\/innen, alles war mit \/innen eigentlich schnell versorgt.<\/p>\n<p><strong>Das Gender*sternchen<\/strong><br \/>\nRelativ jung ist nun das * , das den schlanken Schr\u00e4gstrich abl\u00f6st. Es f\u00e4llt leider *innen* im Text mehr auf und st\u00f6rt den Lesefluss:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><span style=\"color: #993300;\">&#8222;Die Fortbildungsteilnehmer*innen stellten Fragen an die Seminarleiter*innen.&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Sprachlich ist das zwar halbwegs richtig gegendert, aber tats\u00e4chlich waren es <span style=\"text-decoration: underline;\">ein<\/span> Seminarleiter und <span style=\"text-decoration: underline;\">eine<\/span> Leiterin. Was nun? Und irgendwas schmerzt beim Lesen, es wirkt einfach verkrampft und \u00fcberbem\u00fcht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Gut Gegendertes<\/h3>\n<p>Man kommt aus der Verkrampfung raus, wenn man sich wie die <em>&#8222;Genossnnn und Genossn&#8220;<\/em> in der Politik die M\u00fche macht, h\u00f6flich und ausf\u00fchrlich beide Formen auszurollen. Denn das freut die <em>&#8222;B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger&#8220;<\/em> genauso wie die <em>&#8222;Teilnehmerinnen und Teilnehmer&#8220;<\/em>. Ja, es macht die Texte l\u00e4nger, hat aber was Entspanntes und Souver\u00e4nes.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><span style=\"color: #993300;\">&#8222;Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der\u00a0Fortbildung stellten Fragen an die Kursleiterin und den Dozenten.&#8220;<\/span><\/strong><span style=\"color: #333399;\"><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>Der Plural &#8222;die Teilnehmer&#8220; wirkt eigentlich schon neutralisierend und niemand ist ausgeschlossen. Man rettet sich deshalb auch gern in diese Neutrale Zone:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><span style=\"color: #993300;\">&#8222;Die Teilnehmenden der Fortbildung stellten Fragen an die Seminarleitung.&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p>So gehts auch. Man hat ja reichlich Lehrende und Zuh\u00f6rende und Anwesende zur Verf\u00fcgung. Auch Schreibende. Und Berufseinsteigende, Steuerzahlende, Zuschussbeantragende, Beteiligte und Mitwirkende, Absolvierende, Beauftragende, Vertragsunterzeichnende, Selbstst\u00e4ndige sowieso, und Existenzgr\u00fcndende &#8230; Beispiele ohne Ende. Diese sprachliche Nichtangriffszone ist meistens kurz und praktisch, wirkt aber auch ein bischen blutleer und distanziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Elegant und geschickt Gegendertes<\/h3>\n<p>Aufw\u00e4ndig, aber eleganter, ist die Verwendung zweier sehr verwandter Begriffe, also der Verzicht auf die Doppelung und Wiederholung. Sowohl Weiblein als auch M\u00e4nnlein bekommen ihr eigene Bezeichnung:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><span style=\"color: #993300;\">&#8222;Die Teilnehmerinnen und Zuh\u00f6rer der Fortbildung stellten Fragen an die Seminarleiterin und den Dozenten.&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ja, der Satz ist lang, aber alle sind mit im Boot. Man sp\u00fcrt die H\u00f6flichkeit. Soviel Zeit muss sein. Immer noch gilt: Die weibliche Form kommt zuerst, dann die m\u00e4nnliche. Kniffelig ist das Finden passender Synonyme oder Zwillingsbegriffe, die nicht schon wieder einen Graben zwischen M\u00e4nnlein und Weiblein ziehen.\u00a0 Aber oft f\u00fchrt diese L\u00f6sung aus dem Sternchendilemma raus. Probieren Sie es gelegentlich.<\/p>\n<h3>Gendern oder nicht gendern &#8230;<\/h3>\n<p>Man sollte nur dann gendern, wenn die Hinzuziehung der weiblichen Form ein Missverst\u00e4ndnis ausr\u00e4umt, statt es zu verst\u00e4rken. Mir st\u00f6\u00dft an dem Gendersternchen auf, das in vielen Texten das Geschlecht der Personen f\u00fcr die Kernaussage gar keine Rolle spielt, durch das Gendersternchen aber unn\u00f6tig betont und in den Vordergrund gesto\u00dfen wird. Bei einem Hausbrand will ich nicht wissen, welches Geschlecht die verletzten Bewohner hatten, sondern ob sie gerettet wurden.<\/p>\n<p><strong>Wenn eine Frau von sich selbst spricht und die m\u00e4nnliche Form benutzt, wird es merkw\u00fcrdig. Zum Beispiel hier:<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">In einem zwanglosen Gespr\u00e4ch ging es um das Talent, Termine zu organisieren. &#8222;Ich bin jemand, <span style=\"text-decoration: underline;\">der<\/span> das kann.&#8220; behauptete eine Frau von sich, anstatt einfach zu sagen: &#8222;Ich bin eine, <span style=\"text-decoration: underline;\">die<\/span> das kann.&#8220; In der Umkehrung w\u00fcrde kaum ein Mann von sich sagen: &#8222;Ich bin eine Person, <span style=\"text-decoration: underline;\">die<\/span> das kann.&#8220; Oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge der Gleichstellung der Geschlechter wird in der modernen Sprache gegendert, wo gegendert werden muss, liebe Leserinnen und Leser. Das kann zu umst\u00e4ndlichen Formulierungen und f\u00fcrchterlichen Verkrampfungen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1163,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1054"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1660,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054\/revisions\/1660"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.designbrandes.de\/brandesblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}